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Biogasbranche fordert klaren Kurs pro Klimaschutz

Freising.

Der Präsident des Fachverband Biogas e.V. fordert deutliche Perspektiven und zukunftsweisende Entscheidungen und verspricht viel Potenzial für den Klimaschutz

Die Biogasbranche erfindet sich neu. Vom kontinuierlichen Grundlast-Stromerzeuger wandelt sie sich zum flexiblen Stromproduzenten, regionalen Wärmelieferanten und klimafreundlichen Kraftstoffanbieter, der nebenbei auch noch für mehr biologische Vielfalt auf den Feldern sorgt, hochwertigen Dünger vermarktet und die regionale Wertschöpfung ankurbelt.

Dieses Bild zeichnet der Präsident des Fachverbandes Biogas, Horst Seide, auf der heutigen Pressekonferenz im Rahmen der 28.
BIOGAS Convention in Hannover. „Biogas kann mehr als Grundlast – und wird dies in Zukunft auch leisten müssen“, erklärt Seide.

In drei Jahren laufen die ersten Biogasanlagen aus der EEG-Vergütung: Das im April 2000 in Kraft getretene Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert einen festen Strompreis für die Dauer von 20 Jahre. Für die meisten Biogasanlagen liegt dieser bei 20 bis 22 Cent je Kilowattstunde (kWh). Wer von Anfang an dabei war muss sich jetzt entscheiden
, welchen Weg er künftig einschlagen wird.

Seit der EEG-Novellierung 2017 gibt es keinen festgeschriebenen Strompreis mehr. Stattdessen wird über Ausschreibungen die Vergütungshöhe geregelt. Diese ist allerdings aktuell auf maximal 14,58 Cent je kWh für Neuanlagen bzw. 16,56 Cent/kWh für Bestandsanlagen gedeckelt. Dass sich zu diesen Konditionen kaum eine Biogasanlage betreiben lässt, zeigen nicht zuletzt die Teilnehmerzahlen an den ersten beiden Ausschreibungsrunden für Biomasse: nur 77 der möglichen 225 Megawatt installierter Leistung wurden abgerufen.

Der Fachverband Biogas geht davon aus, dass circa 1.000 Biogasanlagen-Betreiber im Jahr 2021 aus dem EEG fallen. „Die meisten unserer Mitglieder möchten ihre Anlage aber auch über diesen Zeitraum hinaus betreiben“, sagt Seide. Dies zeige die Teilnahme an den vom Fachverband Biogas angebotenen Schulungen ebenso wie das weiterhin große Interesse an den Vorträgen auf der BIOGAS Convention und der parallel dazu stattfindenden EnergyDecentral mit dem Schwerpunkt Biogas in den Hallen 24 und 25.

Um weiter zu machen wären allerdings umfangreiche Investitionen an der Biogasanlage nötig. Diese würden die meisten Akteure aber nur tätigen, wenn aus Berlin klare Signale pro Biogas kämen und eine ökonomisch darstellbare Perspektive erkennbar wäre
. „Das nächste Jahr wird sowohl für die Biogasbranche als auch für die gesamte Entwicklung der Erneuerbaren Energien ein Schicksalsjahr“, prophezeit Seide.

Der deutsche Biogaspark umfasst aktuell mehr als 9.300 Anlagen. Zusammen erzeugen diese Anlagen knapp 33 Terawattstunden bedarfsgerechten Strom, was dem Jahresverbrauch von 9,4 Millionen Haushalten entspricht. Dabei vermeiden die Anlagen rund 20 Millionen Tonnen CO
2 - pro Jahr. „Auf diese Klimaschutzleistung können wir nicht verzichten, wenn wir das Pariser Klimaschutzabkommen ernst nehmen“, betont Seide.

„Unter den aktuellen Voraussetzungen und dem unklaren politischen Kurs wird sich der Biogasanlagen-Park in Deutschland nicht erhalten lassen“, mahnt Seide. „Es ist unverständlich, warum ein funktionierender Kraftwerkspark mit einer elektrischen Leistung von knapp 5
.000 Megawatt ab 2021 sukzessive abgeschaltet werden soll.“

Und es stehe viel auf dem Spiel: 45.000 Arbeitsplätze mit der entsprechenden Wertschöpfung vor allem in ländlichen Regionen, zukunftsorientierte Perspektiven für die Landwirte, die Chance auf mehr Artenvielfalt durch Energiepflanzen und die Vermeidung von Methanemissionen aus der Güllelagerung, die sinnvolle energetische Verwertung von Bioabfällen, die klimafreundliche (Biogas)Wärmenutzung in zahlreichen Dörfern und die Chance auf mehr Klimaschutz im Verkehr durch Biomethan als Kraftstoff.

„Deutschland ist nach wie vor Weltmarktführer bei der Biogastechnologie. Viele Länder schauen sehr genau, was sich hier tut. Wir dürfen die Erfahrung und das in den letzten 20 Jahren erworbene Know-how der über 9.300 Betreiber jetzt nicht fahrlässig verloren geben.“

Wohin die Reise geht hänge auch ganz wesentlich vom Ergebnis der Kohlekommission der Bundesregierung ab, betont Seide. Jetzt werde über die Richtung der Energieversorgung in Deutschland entschieden: vorwärts mit einem moderaten Ausbau und dem Erhalt des Biogasanlagen-Bestandes oder rückwärts in eine fossile Energiewelt, sollten sich die Betreiber ab 2021 entscheiden, ihre Anlagen stillzulegen.

Deshalb fordert der Fachverband Biogas im aktuellen Gesetzgebungsverfahren zum so genannten Energiesammelgesetz eine verbindliche Festlegung des Ausschreibungsvolumens für Bioenergie in hinreichend hoher Menge über 2022 hinaus. „Die Festlegung der künftigen Biomasse-Ausschreibungsvolumina hat nicht zuletzt entscheidende Auswirkungen auf die Erreichung des 65-Prozent-Ziels für 2030“, unterstreicht der Präsident. Außerdem verlangt der Verband eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Flexibilitätsprämie sowie Investitionsschutz für Betreiber, die gemäß EEG 2009 den so genannten Luftreinhaltebonus erhalten.

Mindestens diese Punkte müssten zwingend im Energiesammelgesetz berücksichtigt werden, damit die wichtige Rolle der flexiblen und verlässlichen Bioenergie im Energiesystem der Zukunft erhalten bleibt.

Der Verbandspräsident ist sich sicher: wenn die Perspektive stimmt, dann sind die Anlagenbetreiber auch bereit, neue Wege in die Zukunft zu gehen. „Biogas war schon immer flexibel – sowohl der Energieträger selbst als auch die Menschen, die dahinter stehen“, sagt Seide und fordert von der Bundesregierung „einen klaren Kurs pro Klimaschutz und damit pro Erneuerbare und pro Biogas. Wir stehen bereit!“

www.biogas-convention.com
Biogas-Gemeinschaftsstand in Halle 25 D 20

Die Broschüre „Düngen mit Gärprodukten“ ist ab sofort unter dem Titel „Digestate as Fertilizer“ auch in englischer Version verfügbar: www.digestate-as-fertilizer.com