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Noch viel Potenzial für Biogas im Ökolandbau

Berlin / Freising.

Die wachsende Branche hat noch viele Möglichkeiten zur Produktion und Nutzung Erneuerbarer Energien ++++ Gemischtbetriebe können ebenso wie spezialisierte Höfe Biogas nutzen ++++ Faire Förderbedingungen für Substrate wie Kleegras erforderlich

Biogas ist ein Multitalent: Das gilt nicht nur für seine Nutzung – es liefert im Strom-, Wärme- und Verkehrssektor klimafreundlich Energie – sondern auch für seine Erzeugung: Energiepflanzen, Reststoffe oder Tierdung können in der Landwirtschaft zu Biogas verarbeitet werden. Manche Betriebe haben sich auf Biogas spezialisiert. Für andere ist die Produktion von Biogas eine wichtige Ergänzung. Dazu gehören auch Betriebe des ökologischen Landbaus. Da für sie die Kreislaufwirtschaft ein wichtiger Grundsatz ist, kann sich Biogas in ihre Produktionsabläufe optimal einfügen. „Landwirte im konventionellen und im Ökolandbau eint heute das Ziel, möglichst ressourcenschonend zu arbeiten. Dazu zählt die Nutzung Erneuerbarer Energien“, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Biogas, Dr. Claudius da Costa Gomez. „Für die Anforderungen an Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften setzt die Biogasproduktion wichtige Impulse.“

Biogas im Ökolandbau kann auf Gemischtbetrieben ebenso wie auf spezialisierten Bauernhöfen produziert werden. Denn bei weitem nicht alle Biobauern betreiben heute sowohl Ackerbau als auch Tierhaltung. Vielmehr kann z.B. auf viehlosen oder Schweine haltenden Ökobetrieben das zur Düngung und Bodenverbesserung kultivierte Kleegras vom Acker sinnvoll in Biogasanlagen zum Einsatz kommen. Die Biogasanlage übernimmt auf solchen Bauernhöfen die Rolle, die auf klassischen Bauernhöfen die Kühe als Verwerter des Grases spielen. Zudem liefert die Biogasanlage klimafreundliche Energie, durch das von ihr erzeugte Methan, das direkt im Gasnetz oder zur Verstromung genutzt wird. Auf Öko-Milchviehbetrieben kann die Gülle zu Biogas verarbeitet werden. Weil allerdings mehr Mist und weniger Gülle als auf konventionellen Höfen anfällt, besteht hier auf Biohöfen z.T. ein höherer verfahrenstechnischer Aufwand.

Noch unterrepräsentiert
Findige Biobauern gehörten zu den Pionieren der Biogasbranche. Das Streben nach Unabhängigkeit von fossilen Energien war Antriebskraft für sie. Heute ist der Ökolandbau in der Biogasbranche allerdings unterrepräsentiert. Bundesweit gibt es im Ökolandbau schätzungsweise etwa 180 Biogasanlagen. Damit stehen rund 2 % der Vergärer auf Biohöfen. Der Anteil des Ökolandbaus an der deutschen Landwirtschaft liegt je nach Branche zum Teil deutlich höher. So sind rund 9 % aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland auf Ökolandbau umgestellt. Im Ackerbau ist der Ökoanteil mit rund 4 % unterdurchschnittlich. „In der konventionellen Landwirtschaft wie auch im Ökolandbau besteht noch viel Potenzial zur verstärkten Nutzung von Biogas. Nicht zuletzt für Substrate wie das für den Biolandbau wichtige Kleegras benötigen wir faire Förderbedingungen“, fordert da Costa Gomez.

Versorgung einer Großstadt möglich
Im deutschen Ökolandbau besteht laut einer Studie von Universität Kassel, Ecofys und FiBL ein theoretisches Biogas-Potenzial für eine installierte elektrische Leistung von 500 Megawatt (MW). Gemindert wird dieses Potenzial allerdings durch Fragen der Wirtschaftlichkeit und Verfügbarkeit. Das derzeit realistisch mobilisierbare Potenzial wird von den Experten daher bei 150 MWel gesehen. Hinzu kommt die Wärmenutzung. Biogas-Experte Florian Gerlach, einer der Co-Autoren der Studie erklärt: „Das mobilisierbare Potenzial für Biogas im Ökolandbau ist derzeit bei einer Jahresproduktion von 1,1 Milliarden Kilowattstunden Strom sowie 420 Millionen kWh Wärme anzusetzen. Allein mit dem so produzierten Strom könnten knapp 320.000 Familien-Haushalte versorgt werden.“ Für die Studie wurden nur Einsatzstoffe berücksichtigt, für die keine oder nur geringe Nahrungs- und Futtermittelkonkurrenzen angenommen werden. So setzt sich das geschätzte Gesamtpotenzial laut der Studie zu knapp zwei Dritteln aus pflanzlichen Reststoffen aus der Landwirtschaft zusammen.

„Durch die Nutzung von Biogas lässt sich die Klimabilanz der Landwirtschaft deutlich verbessern“, betont Hauptgeschäftsführer da Costa Gomez. Die Treibhausgasemissionen der deutschen Landwirtschaft werden für 2016 von der Bundesregierung mit 67 Millionen Tonnen angegeben, was etwa 7,5 % des deutschen Gesamtaufkommens entspricht. Der gesamte Energieverbrauch für Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei wird vom Statistischen Bundesamt auf 56,7 Mrd. kWh pro Jahr beziffert - das sind vor allem fossile Energieträger, die u.a. in Traktoren, Häckslern, Mähdreschern oder für Ställe genutzt werden. Jedoch spielen auf vielen Höfen die Erneuerbaren Energien eine nicht zu unterschätzende Rolle. Neben Biogas ist hier u.a. auch der Eigenverbrauch von Solarstrom auf den Höfen zu nennen. Allein durch die Nutzung von Biogas wurden in Deutschland im vergangenen Jahr rund 19 Millionen Tonnen an Kohlendioxidausstoß vermieden.

Über interessante Praxisbeispiele der Biogasnutzung im Ökolandbau wird im aktuellen Biogas Journal des Fachverbandes Biogas berichtet, zur Leseprobe geht’s hier: https://www.biogas.org/edcom/webfvb.nsf/id/DE-Ausgabe-5_2017


Kurzinfo Fachverband Biogas e.V.
Der Fachverband Biogas e.V. vertritt die Biogasbranche im Dachverband der Erneuerbaren Energien, dem Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) e.V. Mit rund 4.900 Mitgliedern ist er Europas größte Interessenvertretung der Biogasbranche. Der Fachverband Biogas e.V. setzt sich bundesweit ein für Hersteller und Anlagenbauer sowie landwirtschaftliche und industrielle Biogasanlagenbetreiber. www.biogas.org
Dipl.-Ing. Andrea Horbelt
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Alexander Knebel
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