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Bundesminister Schmidt zu Gast beim Tag der offenen Biogasanlage

Mittelfranken.
„Tag der offenen Biogasanlage“ hieß es am Samstag, den 15. Juli 2017 im mittelfränkischen Brachbach (Markt Obernzenn). Viele Wärmeabnehmer, Lieferanten, Kunden und Interessierte fanden den Weg zur Biogasanlage der Familie Stammberger. Vor allem am späten Nachmittag war die Veranstaltung mit über 300 Gästen hervorragend besucht. Dies war nicht zuletzt den hochkarätigen Politikern geschuldet, die der Einladung auf die Biogasanlage nach Brachbach gefolgt waren.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Anlagenbetreiber Matthias Stammberger eröffnete um 17 Uhr der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Christian Schmidt, mit seiner Rede den offiziellen Teil. Er lobte die beeindruckende Anlage und den Mut der Stammbergers zur Investition in Biogas. „Die Weltgemeinschaft hat sich verpflichtet die Erderwärmung auf deutlich unter 2°C zu begrenzen. Dies ist nötig, denn bereits jetzt sind alle Landwirte direkt oder indirekt von den Folgen des Klimawandels betroffen. Dabei ist nicht die Landwirtschaft der Verursacher des Klimawandels, sondern sie kann einen Beitrag zur Lösung des Problems leisten. Deshalb werden erneuerbare Energien gebraucht“, so Bundesminister Schmidt: „Die drei wichtigen regenerativen Energien sind dabei Solar, Wind und Biogas. Und die Biogas-Technologie hat ihren Platz gefunden. Denn obwohl Biogas keine billige Energie ist, hat es einen entscheidenden Vorteil: Im Gegensatz zu Solar und Wind ist Biogas grundlastfähig und kann dann zu- oder abgeschaltet werden, wenn der Strom gebraucht wird.“ Laut Schmidt wird sich für die Anlagen allerdings künftig einiges ändern „da wir an den Wettbewerb, an den Preis herangehen und keinen Preis fest für die nächsten 20 Jahre haben.“ Trotzdem werde Biogas auch in Zukunft einen festen Platz im Energiemix haben. Schmidt lobte die Nahwärmenetze: So profitiere auch die Nachbarschaft unmittelbar von der Biogasanlage. Im Fall der Familie Stammberger gibt es bereits ein Wärmenetz für Brachbach und für Unternzenn mit insgesamt 18 angeschlossenen Haushalten. Die Innovationsbereitschaft in der Region sei – so Schmidt - bemerkenswert hoch.

Der Landrat des Landkreises Neustadt Aisch, Helmut Weiß, betonte die positive Klimabilanz im Landkreis Neustadt Aisch – es werde bereits mehr Strom produziert als benötigt wird (109 Prozent). Der Markt Obernzenn hat – dank vier Biogas-Anlagen und 223 Photovoltaik-Anlagen –sogar eine Energiebilanz von 350 Prozent. Allein die Anlage von Matthias Stammberger produziert Strom für 1.620 Haushalte und versorgt über die Photovoltaikanlage weitere 60 Haushalte mit Strom. Weiß betonte das Potenzial der Abwärme von Biogas- und Industrieanlagen und forderte, dass diese Wärme in Zukunft besser genutzt werde. Abschließend machte Weiß vorsichtig Hoffnung auf einen Ausbau des Wärmenetzes bis nach Obernzenn.

Auch der Kreisobmann vom Bauernverband, Jürgen Dierauff, lobt die Leistung von Matthias Stammberger. Biogas-Kritikern begegnet Dierauff gerne mit folgendem Vergleich: Vor ungefähr 100 Jahren, als die Motorisierung noch keinen Einzug in die Landwirtschaft gehalten hatte, wurden 15-30 Prozent des Aufwuchses für die Zugtiere gebraucht. Die Biogasanlage hat heute bei Weitem nicht diesen Prozentanteil. Es wurde also schon immer pflanzlicher Aufwuchs für Energie genutzt. Den Kritikern innerhalb der Landwirtschaft – oft Neidern – entgegnet Dierauff, dass die energetische Verwertung das Niveau der pflanzlichen Erzeugung nach oben gezogen hat, wovon heute letztendlich alle Beteiligten profitieren.

Renate Laudenbach richtete als 2. Bürgermeisterin in Vertretung von Bürgermeister Markus Heindel und dem Gemeinderat das Wort an die Gäste und beglückwünschte die Familie Stammberger zur Entscheidung für die Investition in Biogas als zweites Standbein zum Viehhaltungsbetrieb. Sie erinnerte, dass es bis zum ersten Kilowatt ein langer Weg war: von der Standortsuche ab April 2009 bis zum Baurecht und Bebauungsplan 2013 gab es viele bürokratische Hürden zu meistern. Auch Frau Laudenbach äußerte den Wunsch, dass die Nahwärme nach Obernzenn käme.

In der Tat sollte das in Brachbach und Unternzenn bereits bestehende Wärmenetz Vorbild für andere Gemeinden sein. Um diese schon bestehende nachhaltige Wärmeversorgung durch Biogas zu würdigen, überreichte Josef Götz, Präsidiumsmitglied des Fachverband Biogas e.V. zusammen mit Matthias Stammberger, der 2. Bürgermeisterin Renate Laudenbach ein Wärmeschild für die Gemeinden Brachbach und Unternzenn. Auf diesem Schild wird sowohl die Energieerzeugung in der Biogasanlage erläutert, als auch die ökologischen und ökonomischen Vorteile dieser Symbiose. Götz betonte, dass die Energie aus Biogas auch heute schon wirtschaftlich speicherbar ist und somit abgerufen werden kann, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Auch die Wärmenetze sind eine fantastische Zukunftstechnologie und eröffnen viele effiziente Möglichkeiten, z.B. die Sektorenkopplung. Die Verwertung der Wärme ist laut Götz immens wichtig, denn in Deutschland wird rund 40 Prozent der Energie für Wärme gebraucht. Diese wiederum wird derzeit noch zu 87 Prozent fossil erzeugt. Hier liege noch ein langer Weg vor uns allen, damit die Energiewende gelingen kann, so Götz.

Am Abend sorgte die Band „El Piepos“ bis in die frühen Morgenstunden für gute Musik und heizte den Gästen bei kühlen Nachttemperaturen ordentlich ein. Der Erlös des Festes wird auch diesmal wieder für einen gemeinnützigen Zweck gespendet: Der Schützenverein, der den Kuchenverkauf und Getränkeausschank organisiert und betreut hatte, erhält den Gewinn für die Renovierung Ihres Schützenhauses.

Gäste und Gastgeber haben das Fest genossen und die Firma Biogasvertrieb Nord, die auch diesen „Tag der offenen Biogasanlage“ organisiert hatte, bereitet sich auf die nächste Veranstaltung vor, die bereits am 29. Juli 2017 in Weihenzell an der Biogasanlage der Familie Schneider stattfindet. Die Bevölkerung ist hierzu herzlich eingeladen.