Die Deutsche Energieagentur (dena) hat heute in einer Pressekonferenz auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt eine Absichtserklärung zur „Forcierung von Erdgas und Biomethan im Verkehr“ vorgestellt. In einem durch die dena moderierten Plattformprozess hatten sich Vertreter der Automobilbranche, Erd- und Biogaswirtschaft, Tankstellenbetreiber sowie der Mineralölwirtschaft auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner verständigt, den die Absichtserklärung wiedergibt. „Der Fachverband Biogas hält dieses Papier für völlig unzureichend. Daher haben wir uns entschlossen die Erklärung nicht zu unterschreiben“, kommentiert da Costa Gomez das Ergebnis. In dem Roadmap-Prozess habe sich gezeigt, dass einige Akteure am Tisch kein gesteigertes Interesse an einem echten Durchbruch von Erdgas/Biomethan im Verkehrsbereich hätten. Das Resultat sei daher eine große Enttäuschung.
„Einen echten Anschubeffekt für Fahrzeuge mit Gasantrieb in Deutschland hätte zum Beispiel die Aufhebung der für Gasfahrzeuge nachteiligen Geschäftswagenbesteuerung bewirkt“, so der Geschäftsführer des Fachverbandes. Dies sei jedoch in den Diskussionen um die Absichtserklärung kategorisch abgelehnt worden. Beispielsweise hat in Schweden die steuerliche Besserstellung von Dienstwagen auf Gasbasis einen Vorbildeffekt für private Nutzer entwickelt. Somit war eine enorme Steigerung des Marktanteils von Erdgasfahrzeugen zu verzeichnen.
Das in der Absichtserklärung formulierte Ziel, den Anteil von Biomethan am Erdgaskraftstoff bis 2015 auf 20 Prozent zu erhöhen, ist trauriger Beleg für die Haltung einiger Akteure, die verstärkte Einführung von effizienten und regenerativen Kraftstoffen eher bremsen denn fördern zu wollen. 20 Prozent am Erdgaskraftstoff entsprechen etwa 300 Millionen Normkubikmeter Biomethan. Diese Einspeisemenge erreichen die demnächst rund 50 Biogaseinspeiseanlagen in Deutschland bereits Ende 2011. Dabei stellt der Einsatz von Biomethan in Erdgasfahrzeugen für die Automobilhersteller eine gute Möglichkeit dar, die CO2-Emissionswerte ihrer Flotten deutlich zu senken. Hier auf mit Kohlestrom betankte Elektrofahrzeuge zu setzen, nur weil die entsprechende EU-Richtlinie die Emissionen aller Elektrofahrzeuge unabhängig von der Herkunft des Stroms mit Null anrechnet, ist nach Ansicht des Fachverbandes Biogas nicht Klima schonend und daher kein tragfähiges Modell.
Bislang ist auch das Erdgas-Tankstellennetz immer noch unzureichend, zum Beispiel für große Flottenkunden, wie die Deutsche Telekom. Diese hat ihre Flotte an Erdgasfahrzeugen reduziert, weil nicht genügend Tankstellen an strategisch wichtigen Stellen vorhanden sind. So gibt es im Großraum Stuttgart lediglich drei Erdgastankstellen, am Wirtschaftsstandort Frankfurt finden sich lediglich fünf. Dem gegenüber existieren in Berlin 17 Erdgastankstellen. Das in der Absichtserklärung genannte Ziel, die Zahl der Erdgastankstellen auf 1.300 zu erhöhen, ist nicht mit einem konkreten Zieldatum hinterlegt. Von Ende 2010 bis September 2011 sind in Deutschland zehn neue Erdgastankstellen (Erdgaszapfsäulen) installiert worden. Bei Fortsetzung dieser Geschwindigkeit wäre das dena-Ziel erst im Jahre 2051 erreicht.
Um eine wirksame Beschleunigung des Biomethan-/Erdgas-Kraftstoffmarktes tatsächlich zu erreichen, fordert der Fachverband Biogas die Dienstwagenbesteuerung zugunsten von Gasantrieben zu ändern, den Biomethananteil im Erdgaskraftstoff bis 2015 auf 50 und bis 2020 auf 100 Prozent zu erhöhen, die Zahl der Gastankstellen bis 2015 um 50 pro Jahr aufzustocken sowie die Preisauszeichnung an der Tankstelle so zu vereinheitlichen, dass der Preisvorteil von Erdgas/Biomethan gegenüber Otto-Kraftstoff direkt sichtbar wird.