„Ohne das In-Kraft-Treten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im April 2000 wäre diese Entwicklung nicht denkbar gewesen“ betont Pellmeyer – und unterstreicht die Bedeutung verlässlicher und kontinuierlicher Rahmenbedingungen für die gesamte Branche: „Um die Technologieführerschaft Deutschlands bei der international gefragten Biogastechnik halten zu können, ist eine langfristige Planungssicherheit für Firmen und Betreiber unerlässlich!“ Die Diskussion um eine vorzeitige Änderung der ohnehin schon um ein Jahr vorgezogenen Novellierung des EEG oder das In-Frage-Stellen des NawaRo-Bonus verunsichere die Akteure, warnt Pellmeyer.
„Wie bei der Ausbreitung jeder neuen Technik entstanden in den vergangen zwei Jahren auch Probleme im Zusammenhang mit Biogasanlagen“, weiß der Präsident. Diese sind jedoch überwiegend in den Regionen Deutschlands mit hohen Viehhaltungsdichten und folglich großen Güllemengen zu beobachten. „Pauschalen Aussagen und Spekulationen, dass diese negativen Debatten um Biogas auf den NawaRo-Bonus zurückzuführen sind, erteile ich eine klare Absage. Der Grund für den überhitzten Boom in den Veredelungsregionen ist ohne Zweifel die falsche Ausgestaltung des Güllebonus“, macht Pellmeyer deutlich. Dieser Bonus müsse entgegen der bisherigen Regelung ohne Mindestschwelle und ohne Koppelung an den NawaRo-Bonus auch für Abfallanlagen gelten. Das würde die Querfinanzierung des Energiepflanzenanbaus in den „Gülleregionen“ eindämmen. „Dass die Höhe des NawaRo-Bonus von sieben Cent pro Kilowattstunde unter den derzeitigen Agrarpreisen passt, zeigt die moderate Biogasentwicklung in Ackerbauregionen, wo kein Güllebonus generiert werden kann“, sagt Pellmeyer.
Bislang wird nur ein Fünftel der in Deutschland anfallenden Gülle in Biogasanlagen vergoren. Hier sind noch große Mengen mobilisierbar. Da außer der Gülle die meisten Abfallstoffe bereits in energetischen Verwertungsschienen festgelegt sind, bietet der Energiepflanzeneinsatz das größte Biogaspotenzial. Mit der Kombination von Energiepflanzen, Gülle, und Reststoffen ließe sich die aktuelle Leistung der deutschen Biogasanlagen bis 2020 verdreifachen, ohne die Versorgung mit Lebensmitteln zu gefährden. Dabei wird die aktuell ertragreichste Energiepflanze Mais in den kommenden Jahren durch zahlreiche Alternativen ergänzt bzw. ersetzt werden - je nach Standortbedingungen durch die Zuckerrübe, die Durchwachsene Silphie oder eine der zahlreichen anderen derzeit in der Erprobung befindlichen Energiepflanzen.
Biogas spielt im Mix der Erneuerbaren Energien eine ganz besondere Rolle: Als derzeit einzige regenerative Quelle ist es leicht speicherbar und kann bedarfsgerecht genutzt werden. Sowohl über interne Gasspeicher als auch über den großen „Energiespeicher“ Erdgasnetz lässt sich das Gas je nach Bedarf in Kraft-Wärme-Kopplung unter Verwendung der Wärme effizient verstromen oder als Treibstoff in Gasfahrzeugen einsetzen. Perspektivisch wird der Anteil von Biomethan im Erdgasnetz signifikant steigen. Auf dem Weg zu einer Vollversorgung durch regenerative Energiequellen führt an der Nutzung von Biogas kein Weg vorbei.
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